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Die Fremdenlegion


Die Traditionen der Fremdenlegion


Die Fremdenlegion betrachtet sich als eine grosse Familie, zu der alle aktiven sowie alle ehemaligen Legionäre gehören.

Die Wahrung ihrer Traditionen ist daher für die Legion ein Garant für ihre Existenz sowie zugleich unabdingbar für die Disziplinierung und das Zusammenleben von Legionären unterschiedlichster Rassen und Religionen aus über 130 Ländern der Erde. Sie sind seit dem Bestehen der Legion über mehr als eineinhalb Jahrhunderte hauptsächlich durch Einflüsse und Bräuche von Legionären aus aller Welt, die vor ihrer Zeit in der Legion bei anderen Armeen gedient haben, entstanden. Sie beeinflussen das Leben eines jeden Legionärs, sie bestimmen seine Gestik, sein Denken und Handeln, seinen Schritt beim Marschieren, seine Kleidung, den Ablauf von Festen und Feierlichkeiten usw. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben. Verantwortlich für ihre Pflege und Erhaltung ist der jeweils kommandierende General der Fremdenlegion. Für aktive Legionäre sind sie Mittel zum Ausdruck ihrer speziellen Physis und Moral.

Die Wahrung dieser Traditionen beruht auf vier wesentlichen Eckpfeilern:

  • der "heilige" Charakter eines erteilten Befehls

  • die unbedingte Ausführung eines erteilten Befehls

  • die Solidarität gegenüber seinen Vorgesetzten und Kameraden

  • praktizierende Pflege der Traditionen

Die Traditionen bei der Fremdenlegion finden weiter Ausdruck durch:

  • die strikte Einhaltung des Ehrenkodex (s.u.)

  • eine stets tadellose Uniform

  • Märsche und Lieder

  • einen einzigartigen Marschier- und Paradeschritt

  • zahlreiche Feste





Ehrenkodex eines Fremdenlegionärs


Legionär 3° REI - © Légion Etrangère - Képi blanc - E. Ponomarev

1.) Legionär, du bist ein Freiwilliger, der Frankreich mit Ehre und Treue dient.

2.) Jeder Legionär ist dein Waffenbruder, gleich welcher Nationalität, Rasse oder Religion. Du bezeugst ihm jederzeit engste Verbundenheit, so als wäre er dein leiblicher Bruder.

3.) Du respektierst deine Traditionen und bist deinen Vorgesetzten treu ergeben. Disziplin und Kameradschaft sind deine Stärke, Mut und Treue deine Tugenden.

4.) Deinen Status als Fremdenlegionär zeigst du durch tadelloses, immer elegantes Äusseres, dein Benehmen ist würdevoll und zurückhaltend. Deine Kaserne und deine Unterkunft sind immer sauber.

5.) Als Elitesoldat trainierst du unerbittlich, du behandelst deine Waffe, als wäre sie dein höchstes persönliches Gut, du bist ständig bestrebt, deine körperliche Verfassung zu verbessern.

6.) Der erteilte Befehl ist heilig, du führst ihn -unter Respektierung der Gesetze und international geltender Konventionen- bis zu seiner Erfüllung aus; sollte es nötig sein unter Einsatz deines Lebens.

7.) Im Kampf agierst du umsichtig und mit kühlem Kopf sowie ohne Hass, du achtest deine besiegten Feinde. Deine gefallenen und verwundeten Kameraden sowie deine Waffen lässt du niemals zurück.






Die Traditionsmerkmale der Fremdenlegion



Die siebenflammige Granate

grenade

Das Recht, die siebenflammige Granate (la grenade à sept flammes) zu tragen, wurde der Legion 1873 zuerkannt. Die Paradeuniform damit zu schmücken ist nur wenigen Eliteeinheiten der französischen Armee vorbehalten. Das Abzeichen symbolisiert eine explodierende Granate. Seit 1873 gab es mehrere Versionen, die aktuelle stammt aus den Jahren kurz vor dem 2. Weltkrieg.



Der Marschier- und Paradeschritt der Fremdenlegion

© Légion Etrangère - Képi blanc

Man geht davon aus, dass der recht langsame und getragene Marschier- und Paradeschritt mit einer Frequenz von 88 Schritten pro Minute (im Gegensatz zu 120 Schritten pro Minute bei den meisten anderen französischen Infanterieregimentern) in der Legion auf das Regiment Hohenlohe, dem Vorgänger der heutigen Fremdenlegion, zurückgeht, welches damals (vor 1830) wahrscheinlich in der gleichen Schrittfrequenz marschiert ist. Eine andere, weniger anerkannte Theorie besagt, dass diese Schrittfrequenz für das Marschieren im Wüstensand die am wenigsten anstrengende war und deshalb von der Legion während ihrer Zeit in Afrika übernommen wurde.



Die Paradeuniform


Das "Képi blanc"

Képi blanc


Ursprünglich war der weisse Stoff, der auch den ganzen Nackenbereich abdeckte, nur ein Überzug über das herkömmliche Képi, um zu der Zeit, als die Legion noch ständig in Nordafrika stationiert war, vor der Hitze in der Sahara zu schützen. Mit der Einführung einer weissen Ausgehuniform für den Sommer Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde es dann zum festen Bestandteil dieser Uniform. Im Winter wurde nach wie vor ein blaues Képi mit rotem Deckel getragen. Am 14. Juli 1939, bei der alljährlichen Militärparade auf den Champs Elysées in Paris, defilierte die Fremdenlegion erstmals offiziell mit dem Képi blanc. Nach und nach eroberte es seinen Platz als Kopfbedeckung der Legionäre und ist nunmehr seit vielen Jahrzehnten auf der ganzen Welt das Erkennungszeichen für Fremdenlegionäre.



Das grüne Barett

béret vert


Anfangs wurde das grüne Barett (le béret vert) ausschliesslich von Angehörigen der Fallschirmjägerbataillone der Legion getragen, somit erst seit der Zeit des Indochinakrieges 1946/1954. Mit Ausbruch des Algerienkrieges wurde es für die gesamte Legion als offizielle Kopfbedeckung eingeführt.



Die Schulterklappen

epaulettes


Der Ursprung der Schulterklappen (les épaulettes) geht bis in das Jahr 1868 zurück. Das grüne Kernstück ist umgeben von einer roten Bordüre sowie roten Fransen. Sie versinnbildlichen mit ihren Farben grün und rot die Farben der Fremdenlegion. Ab 1881 wurden sie nur in den Garnisonen getragen. Zwischen 1884 und 1887 sowie im Jahre 1915 waren sie zeitweise völlig verschwunden. Zur Feier des 100 jährigen Bestehens der Fremdenlegion 1930/1931 wurden sie auf Betreiben von Colonel Rollet wieder fester Bestandteil der Paradeuniform und sind dies auch heute noch.



Die grüne Krawatte

la cravate verte


Vor 1939 wurde die grüne Krawatte (la cravate verte) lediglich von den Offizieren in Algerien getragen. Nach der Entdeckung eines umfangreichen Lagerbestandes an grünen Krawatten 1945 in einem Jugendlager wurde sie ab 1946 fester Bestandteil der Paradeuniform.



Die blaue Bauchbinde

la ceinture bleue


Schon während der Zeit der Eroberung Algeriens in den Anfangsjahren der Fremdenlegion wurde die blaue Bauchbinde (la ceinture bleue) aus gesundheitlichen Gründen zur Unterstützung der Leisten unter der Uniform von allen französischen Soldaten in Afrika getragen. Ab 1882 wurde sie, manchmal auch in roter Farbe, ein fester Bestandteil der Paradeuniform und daher über der Paradeuniform angelegt. Noch heute achten die Unteroffiziere peinlichst genau auf das exakte Anlegen und ihren tadellosen Sitz bei ihren Sektionen während der Paraden.






Besonderheiten bei den Pionieren

Pionier 6° REG - © Légion Etrangère - Képi blanc - E. Ponomarev


Spektakulär bei jeder Parade der Fremdenlegion sind zweifellos die Pioniere. Ihre Paradeuniform wird durch einen Lederschurz (le tablier des pionniers) sowie eine über die rechte Schulter gelegte Axt ergänzt. Der Lederschurz wurde von einer Pioniertradition aus dem 18. Jahrhundert, also lange vor der Gründung der Fremdenlegion, übernommen. Damals trugen die Pioniere der Infanterie einen gelbfarbenen Lederschurz aus gegerbtem Schaffell. Bei der Fremdenlegion wird diesen Lederschurz -mit Unterbrechungen- seit ihrem Einsatz in Spanien 1835 getragen. Die Gründung von Pionierkompanien bei der Legion nach dem Ende des 1. Weltkrieges war ein geeigneter Anlass, diese sehr alte Tradition der französischen Armee wieder aufzunehmen. Heute ist die Farbe der Lederschürze braun, in Übersee weiss. Bei jeder Militärparade der Fremdenlegion marschieren die Pioniere an erster Stelle. Das soll vesinnbildlichen, dass die Pioniere auch im Kampf immer in vorderster Front zum Minenräumen, Brückenbau usw. zu finden sind, um den nachfolgenden Truppen einen möglichst reibungslosen Vormarsch zu ermöglichen.




 © Légion Etrangère - Képi blanc



Die Musikkapelle der Fremdenlegion


MLE - © Légion Etrangère - Képi blanc MLE - © Légion Etrangère - Képi blanc


Die Musikkapelle der Fremdenlegion (La Musique de la Légion Etrangère, kurz M.L.E.) geniesst weltweit einen einzigartigen Ruf. Sie besteht zur Zeit aus etwa 60 Legionären mit einem riesigen Repertoire an perfekt einstudierten Stücken nahezu aller Musikrichtungen, also nicht unbedingt nur Militär- und Marschmusik. Sie unterscheidet sich von anderen französischen Militärkapellen durch den Einsatz von Querflöten, das Mitführen des "chapeau chinois", sowie ihrer speziellen Art, die Trommeln zu tragen.



Die Feste der Fremdenlegion


Feste sind ein fester Bestandteil im Leben eines Legionärs. Viele Legionäre haben alle Brücken hinter sich abgebrochen, daher sind die Feste -nicht zuletzt für den Korpsgeist- von grosser Wichtigkeit und werden mit viel Leidenschaft vorbereitet und nachher auch gefeiert.



Camerone


Camerone links Camerone rechts

Camerone ist das wichtigste und grösste Fest bei der Fremdenlegion und wird jedes Jahr am 30. April gefeiert. Man erinnert dabei an die heldenhafte "Schlacht von Camerone" von 62 Fremdenlegionären gegen 2000 mexikanische Soldaten am 30. April 1863, welche sich in dem kleinen Weiler Camerone in Mexiko zugetragen hat.

Zum ersten Mal wurde Camerone 1906 anlässlich der Verleihung des Kreuzes der Ehrenlegion an das 1er Régiment Etranger gefeiert und zwar in Ta Lung, einem kleinen, verlorenen Aussenposten der Legion in Tonkin in der Nähe von Cao Bang. Eine Tradition war geboren. Feierlichkeiten anlässlich des Gedenktages an Camerone war allerdings zunächst über viele Jahre unregelmässig. Erst 1931, anlässlich des 100 jährigen Bestehens der Fremdenlegion, wurden sie ein fester, alljährlich wiederkehrender Bestandteil im Leben der Fremdenlegionäre und löste den Festtag 9. März anlässlich der Gründung der Fremdenlegion ab. Den protokollarisch sehr strikten Ablauf setzte im Jahre 1947 Colonel Gaultier fest, und an diesem Ablauf hat sich bis heute nichts Wesentliches mehr geändert. Alljährliche Höhepunkte des Cameronetages z.B. im 1er Régiment Etranger in Aubagne, dem heutigen Mutterhaus der Fremdenlegion, sind die Präsentation der hölzernen Handprothese des kommandierenden Offiziers bei der Schlacht von Camerone, Capitain Danjou, welche von altgedienten, pensionierten Legionären -eingerahmt von den Pionieren des 1er Régiment Etranger- vom Kaserneneingang über den "heiligen Weg" (la voie sacrée) bis zum Ehrenmal für die Gefallenen (la monument aux morts) getragen wird, sowie die Nacherzählung der "Schlacht von Camerone" durch einen verdienten Offizier der Fremdenlegion, was für die jeweils Auserwählten eine grosse Ehre ist. Viele ehemalige Legionäre und Offiziere scheuen die Strapazen nicht und versuchen alles, damit sie an diesem Tage den offiziellen Feierlichkeiten beiwohnen können. Die hölzerne Handprothese des Capitain Danjou ist zugleich die höchste Reliquie der Fremdenlegion. Sie wird normalerweise in der Krypta des Museums der Fremdenlegion in Aubagne aufbewahrt. Lediglich zum Anlass der Präsentation an Camerone einmal im Jahr verlässt sie ihren angestammten Platz. Natürlich wird Camerone an jedem Ort der Welt, wo Fremdenlegionäre im Einsatz sind -und sei es nur auf einem mit drei Mann besetzten Dschungelposten in französisch Guyana- gebührend gefeiert, genauso wie überall auf der Welt, wo sich ehemalige Fremdenlegionäre zu Kameradschaften (amicales) zusammengeschlossen haben und nicht an den Feierlichkeiten in einem Regiment der Fremdenlegion teilnehmen können.



Weihnachten


Weihnachten ist auch bei der Fremdenlegion das Fest der Familie und nach Camerone der zweitwichtigste Feiertag des Jahres. Das ganze Regiment, also alle Offiziere, Unteroffiziere und Legionäre, bleiben in Ihren Kasernen zusammen, um Heiligabend miteinander zu verbringen. Es gibt ein noch reichhaltigeres Essen als sonst und das Bier und der Wein fliessen in Strömen. Es findet ein Wettbewerb im Bau von Weihnachtskrippen statt und die Legionäre erhalten ihre Geschenke und gehen zusammen zum Gottesdienst.



Weihnachtskrippen © Légion Etrangère - Képi blanc


Der Neujahrstag


Die Unteroffiziere laden am 1. Januar die Offiziere in Ihrer Messe ein, um Ihnen die Neujahrswünsche zu übermitteln.



Dreikönigstag


Die Offiziere laden am 6. Januar die Unteroffiziere in ihre Messe ein um sich für den Empfang am Neujahrstag zu revanchieren. Aus den Reihen der Unteroffiziere wird ein "König" gewählt, der für einen Tag das symbolische Kommando über das Regiment hat. Wenn man alten Überlieferungen Glauben schenken darf, ist auch bei diesem Fest noch nie jemand verdurstet.



sonstige Feiertage


Über die oben beschriebenen Feiertage hinaus hat jedes Regiment noch seinen eigenen Feiertag, so z.B. das 1er Régiment Etranger "Saint Antoine", das 1er Régiment Etranger de Cavalerie "Saint Georges", das 2ème Régiment Etranger de Parachutistes "Saint Michel", das 3ème Régiment Etranger d'Infanterie den "Tag der Fourragère", usw.



Saint Michel 2° R.E.P. © Légion Etrangère - Képi blanc





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